Ursprünglich wurde der Begriff Sollzins nur bei Kreditlinien wie einem Dispositionskredit oder der Inanspruchnahme der Teilzahlungsmöglichkeit einer Kreditkarte verwendet. Er bezeichnet den Zinssatz, den der Kreditnehmer für die Zeit der Ausnutzung der Kreditrahmenvereinbarung zu zahlen hat. Zusätzliche Bereitstellungszinsen dürfen Geldinstitute bei Kreditrahmen für private Kunden nicht berechnen.

Sollzins = Nominalzins = ?

Der Sollzins wird bei Kreditlinien als Nominalzins angegeben, da auch bereits berechnete Zinsen ab dem Zeitpunkt ihrer Erhebung kostenpflichtig werden, ist der effektive Jahreszinssatz höher. Die Zinsberechnung erfolgt Dispositionskrediten für Girokonten zum Quartalsabschluss, bis in die Mitte der 1980er Jahre waren abweichende Berechnungsintervalle zulässig. Der Sollzins im engeren Sinn ist variabel. Je nach Vertragsgestaltung beziehungsweise Geschäftsbedingungen erfolgt seine Neuberechnung in unregelmäßigen Abständen oder zu fest vereinbarten Terminen und anhand eines festgelegten Referenzwertes.

Inzwischen hat sich die Anwendung des Begriffes Sollzins ausgeweitet. Er wird heute als generelles Synonym zum Habenzins verwendet und bezieht sich auf alle für Kredite und weitere Verbindlichkeiten zu zahlenden Zinsen. Bei Kreditangeboten bezeichnen Geldinstitute den nominellen Zinssatz als gebundenen Sollzinssatz, zusätzlich sind sie zur Angabe des effektiven Zinssatzes einschließlich aller anfallenden Nebenkosten und Entgelte verpflichtet. Der in der Fachsprache korrekte Begriff für diese Art der Zinsen lautet Darlehenszinsen.