Die günstigen Zeiten sind für viele Inhaber eines Girokontos vorbei. Haben zahlreiche Banken in den vergangenen Jahren mit einem kostenlosen Konto geworben, erheben sie nun wieder Gebühren. Die Hintergründe dazu erfahren Sie in unserer Infografik zu den Kontoführungsgebühren. Es war einmal – als die Banken für ihre Einlagen bei der EZB (Europäische Zentralbank) Zinsen kassierten. Anfang 2016 war damit Schluss. Statt Zinsen zu verteilen, ordnete die EZB für sämtliche Einlagen Strafzinsen an. Zur gleichen Zeit senkte die EZB den Leitzins, also den Prozentsatz, zu dem sich Banken bei der EZB Geld leihen konnten auf Null. Damit wurden Kredite bei der EZB extrem günstig.

Aufschwung dank Nullzins

Die Veränderungen in der Zinspolitik sollten vor allem die strauchelnde Wirtschaft in den Euro-Staaten aufhalten. Die Rechnung der EZB: Banken leihen sich kostenlos Geld von der EZB und geben es günstig an die Verbraucher weiter, die damit die Konjunktur beleben. Da Zinsen für Sparer zur selben Zeit quasi aufgehoben wurden, sollten sich Investitionen besonders lohnen.
Doch die Rechnung ging nicht ganz auf. Das Problem lag vor allem im bleibenden Risiko einer Kreditvergabe im Falle eines Zahlungsausfalls. Diesen können nicht alle Banken über ihr Eigenkapital abdecken und so belassen sie ihr Geld lieber bei der EZB und zahlen dafür kräftig Strafe. Steigende Personal- und Immobilienkosten für die Filialen machten die Sache nicht besser.

Wiedereinführung von Gebühren

Das Ergebnis dieses Dilemmas: Die Banken holen sich ihre wachsenden Kosten und sinkenden Einnahmen aus Zinsgeschäften von den Kunden zurück und zwar in Form von Kontoführungsgebühren. Die kostenlosen Zeiten sind damit für zahlreiche Bankkunden weitgehend vorbei.

Ausnahme Direktbanken

Die einzige Ausnahme dieser Tatsache dürften auch in Zukunft allerdings die Direktbanken sein. Anders als die klassischen Filialbanken fallen ihre Kosten für Immobilien und die Unterhaltung der Filialen weg; und so auch ein Großteil der Personalkosten. Wer auf die persönliche Beratung in Konto- und Geldgeschäften verzichten kann und Online- und Telefonkontakt als ausreichend empfindet, kann mit dem Wechsel zu einer Filialbank in Zukunft viel Geld sparen – einige Hundert Euro sind jährlich drin.

Datenübermittlung wird Pflicht

Der Wechsel der Bank wird Verbrauchern zudem seit Kurzem wesentlich erleichtert. Anstatt dass sich die Kunden selbst um die Übermittlung von Überweisungen und Lastschriften kümmern müssen, ist seit dem 18. September 2016 die neue Bank dazu verpflichtet und zwar für die vergangenen 13 Monate. Der Umzug des Girokontos und somit die Möglichkeit, jede Menge Euros zu sparen, wird Bankkunden damit erheblich vereinfacht.